| Humboldt
Universität zu Berlin Institut für Sozialwissenschaften Seminar: Von der Erwerbs- zur Tätigkeitsgesellschaft? Zum Wandel von Arbeit, Organisation und Geschlechterverhältnissen Prof. Dr. Hildegard Maria Nickel |
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| 3.12.2001 | |||||||||||||||||||||||
| Referat: Migrantinnen auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Kontext der Globalisierung | |||||||||||||||||||||||
| Hanna Keller / Christina von Rotz | |||||||||||||||||||||||
| Einleitung | |||||||||||||||||||||||
| Wir haben dieses Thema
selbst eingebracht, weil uns in der bisherigen Diskussion die Einbeziehung
von Migration und deren Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt sowie
den Wandel von Arbeit, Organisation und Geschlechterverhältnissen fehlte.
Die Betrachtungen der Erwerbsbevölkerung und die Veränderungen der Geschlechterordnung auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind undifferenziert und unvollkommen, bezieht man nicht mit ein, dass hier auch Nicht-Deutsche ihre Arbeitskraft anbieten und sich darüber (innerhalb der und über die Geschlechterverhältnisse hinaus) ein komplexes Gefüge von Privilegien und Ungleichheiten, also von Machtverhältnissen ergibt. (Z.B. wurde auch nie die Frage gestellt, ob z.B. ein wie auch immer geartetes BürgerInnengeld an Staatsangehörigkeit gekoppelt wäre...) Wichtig ist uns also nicht allein die Frage nach den Veränderungen der nationalen Geschlechterordnungen, sondern ebenfalls die nach den Ungleichheiten innerhalb der Kategorie ‚Frau' im nationalen wie im internationalen Rahmen, die sich durch Prozesse der Internationalisierung der Ökonomie sowie Prozesse der Migration ausdifferenzieren und verfestigen. |
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| Gliederung des Referats | |||||||||||||||||||||||
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Zusammenhang Migration und 'Globalisierung' |
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| Zusammenhang Migration und 'Globalisierung' | |||||||||||||||||||||||
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Der ökonomische Strukturwandel, dessen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
wir bisher analysiert haben, steht in Zusammenhang mit dem, was gemeinhin
als ‚'Globalisierung' beschrieben wird. Zugleich besteht ein Zusammenhang
zwischen der ökonomischen ‚'Globalisierung' (der Integration von zunehmend
mehr Ländern in die globale kapitalistische Ökonomie und der Desintegration
einiger Regionen im Laufe dieser neuen Ordnung) und wachsenden Migrationsbewegungen;
diese werden zusätzlich begünstigt durch die globale Vernetzung auf
dem visuell-medialen Markt und die vereinfachten Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten.
Es muss jedoch angemerkt werden, dass trotz der Liberalisierung von
Kapital- und Güterverkehr, sowie einer zunehmenden Freizügigkeit in
der Bestimmung der Reise- und Niederlassungsorte für privilegierte westliche
Mittelschichten, für Menschen aus den südlichen Kontinenten und osteuropäischen
Ländern die legale Einreise in die hochindustrialisierten Länder und
die dortige Niederlassung zunehmend erschwert bis verunmöglicht wird.
Auch Rodriguez betont, dass Geschlechtskonfigurationen nicht nur auf Grundlage des Geschlechterverhältnisses erzeugt werden, sondern immer auch im Verhältnis zu Ethnisierung, Rassisierung und Klassenverhältnis. Für privilegierte weiße Frauen bleibe diese rassistische Ordnung jedoch meistens unsichtbar, obwohl sie auch deren Leben präge (weiße Privilegien funktionieren ähnlich wie männliche und bleiben für die Nutznießerinnen eher unsichtbar). |
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| Feministische Migrationsforschung / 'Feminisierung' der Migration | |||||||||||||||||||||||
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Die sog. feministische Migrationsforschung beschäftigt
sich seit einigen Jahren (Jahrzehnten?) mit der Frage, wie Migration
Geschlechterverhältnisse und -rollen beeinflusst. Frauen haben auf dem Weltmarkt für Arbeitskraft mehrere Funktionen zu erfüllen:
In der feministischen Migrationsforschung geht es wie
oben bereits gesagt um die Auswirkungen von Migration auf die Geschlechterordnung.
Einige Theoretikerinnen betonen den Aspekt der Ermächtigung migrantischer
Frauen durch Erwerbstätigkeit sowie den damit verbundenen Autonomiezuwachs
und ihre Stärkung durch die Bildung transnationaler Haushalte. ->Kritik!!!: Einer derart euphorischen Einschätzung mag ich mich nicht anschließen: Es scheint zwar plausibel, dass Frauen durch ein selbstverdientes Einkommen sowohl in der eigenen Familie als auch in der Gesellschaft insgesamt einen gewissen Einflusszuwachs erlangen. Diesen aber derart euphorisch zu formulieren, wie beispielsweise Sassen es tut, erscheint gerade nach der von ihr selbst gelieferten Analyse der Position von Immigrantinnen in der globalisierten Gesellschaft eher zynisch. Nur weil die Frauen beispielsweise die Formalitäten im Umgang mit dem Staat erledigen müssen, impliziert das keineswegs, dass sie sich in die Gesellschaft einbringen würden oder könnten. Es scheint mir eher eine zusätzliche Arbeit, die den Frauen überlassen wird. (Mehrfachbelastung) Es wäre auch genauer zu fragen, was mit "sozialen Tätigkeiten", die die Frauen übernehmen gemeint ist. Es ist sicher kein neues Phänomen, dass Frauen innerhalb ihrer Umgebung sozial tätig sind, sich um Familie und NachbarInnen kümmern. Das ist ein traditionelles Aufgabenfeld von Frauen, wodurch sie aber meiner Meinung nach nicht die Möglichkeit haben, in der öffentlichen Sphäre sichtbarer und stärker zu werden. Auch findet hier keine Verschiebung der bestehenden Geschlechterhierarchie statt. Es stellt vielmehr eine zusätzliche unbezahlte Arbeit dar, die Frauen wie selbstverständlich leisten. |
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| Situation von MigrantInnen auf dem deutschen Arbeitsmarkt | |||||||||||||||||||||||
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In der BRD ist die ökonomische und soziale Wichtigkeit von Zuwanderung mittlerweile weithin anerkannt (Greencard-Debatte, Zuwanderungsgesetz): Zuwanderung wird aus ökonomischen (internationale Konkurrenz um qualifizierte Arbeitskräfte, Reservearmee zur Überbrückung von Engpässen auf dem deutschen Arbeitsmarkt) und sozialen (Lösung der Probleme, die durch die demographische Entwicklung in der BRD entstehen) Gründen gebraucht. Über die Greencard-Debatte und die Diskussion um qualifizierte Zuwanderung gerät die Situation bereits hier lebender MigrantInnen allerdings oft aus dem Blick:
Was hier keine Beachtung findet: ZuwanderInnen, denen der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt komplett verwehrt wird (Arbeitsmarktzugang ist an Aufenthaltsberechtigung gekoppelt, also fallen alle, die keine solche haben, sondern nur einen befristeten Status, aus dem Raster) oder denen, je nach Arbeitsmarktsituation, nur ein temporärer Zugang gewährt wird (im Rahmen von Werkverträgen, Saisonarbeit, Kontingentmaßnahmen etc.) und die somit lediglich als Spielball und Reservearmee für auf dem deutschen Arbeitsmarkt entstehende Engpässe fungieren. (Weitkamp S. 102-105) Vielen ZuwanderInnen wird also das Recht, sich legal auf dem deutschen Arbeitsmarkt um eine eigenständige Existenzsicherung zu kümmern, verweigert. In den letzten zehn Jahren haben sich jedoch zunehmend Formen ‚illegaler' Arbeit, sowie Zuwanderung entwickelt. Situation illegalisierter MigrantInnen oder illegalisiert
Arbeitender: In der Regel besteht die Gefahr einer starken Ausbeutung
in entrechtlichten und prekären Arbeitsverhältnissen (Männer vor allem
im Baugewerbe sowie in und Renovier- und Handwerkstätigkeiten; Frauen
vor allem im Reproduktions- und Pflegebereich: Putzen, Haushaltsführung
Babysitten etc.) |
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| Statistiken zur Beschäftigungssituation der AusländerInnen | |||||||||||||||||||||||
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Arbeitsmigration wurde häufig als Migration von Männern gesehen
und die spezifische Situation von Frauen ausgeblendet. Laut dem Weltbevölkerungsbericht
der Vereinten Nationen von 1993 (Schötters/Treibel) sind mehr als
die Hälfte der weltweit 100 Millionen MigrantInnen weiblich. Wenn
Frauen als Migrantinnen wahrgenommen wurden, dann oft in Verbindung
mit Familienzusammenführung. Erst seit den 80er Jahren werden Frauen
in der Ausländerforschung der Bundesrepublik als eigenständige
Einwanderinnen wahrgenommen. Die Migrantin wird als Frau, als Ausländerin und als Arbeiterin
gleichzeitig unterdrückt. Im Folgenden werden wir anhand von Statistiken die Situation der Migrantinnen in der BRD aufzeigen. Zur Lösung der Probleme, nicht zuletzt der hohen Arbeitslosigkeit, werden von staatlicher Seite einerseits verschärfte Zuwanderungskontrollen und Integrationsbestrebungen für ansässige MigrantInnen genannt. Die Integration wird primär in einer Bildungsexpansion gesehen. Dass diese Konzepte der Komplexität der Herrschaftsverhältnisse, denen Migrantinnen unterworfen sind, nicht gerecht werden, zeigt Encarnación Gutiérrez Rodríguez in ihrer Analyse von Biographien intellektueller Migrantinnen in der BRD. |
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| Einwanderungen in die Bundesrepublik | |||||||||||||||||||||||
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Im Zuge der weltweiten Ausbreitung des Neoliberalismus und der damit einhergehenden Globalisierung wird zwar der freie Kapital- und Güterverkehr gefordert und über verschiedenen Abkommen garantiert (z.B. WTO, Internationaler Währungsfond, OECD), der freie Personenverkehr ist dagegen starken Einschränkungen unterworfen, die dem Prinzip des freien Marktes widersprechen (1). Die nationalen Grenzen werden geöffnet, wenn das Arbeitskräfteangebot unter den Einheimischen den wirtschaftlichen Erfordernissen nicht genügt. Ansonsten wird der Zugang durch mehr oder weniger restriktive Kontrollen erschwert. In der Bundesrepublik konnte nach 1945 die ausgeweitete Produktionskapazität durch 12 Millionen ZuwanderInnen vorerst abgedeckt werden. Der grösste Teil waren Aus- und ÜbersiedlerInnen, die sogleich die deutschen Bürgerrechte erhielten. 1955 beklagten die Arbeitgeberverbände den Mangel an Arbeitskräfte, was zum ersten Anwerbeabkommen zwischen der BRD und Italien führte, obwohl gleichzeitig in der BRD zwischen einer halben und einer Million Menschen arbeitslos waren (2), hauptsächlich im Agrarsektor. Mit dieser Massnahme sollte der Produktionsrückgang in der Industrie gestoppt werden. Weitere Abkommen zur Anwerbungen von Arbeitskräften wurden mit weiteren Ländern geschlossen. Bis zum Anwerbestop 1973 immigrierten 2,6 Millionen Arbeitskräfte in die BRD. Eine Niederlassung der AusländerInnen im Gastland war aber nicht erwünscht. Mit auf zwei Jahren befristeten Arbeitsverträgen, versuchte die Regierung nach dem Rotationsprinzip die MigrantInnen wieder in ihre Heimatländer zurückzuschieben. Da den Unternehmungen aber durch das wiederholte Anlernen von ArbeiterInnen wirtschaftliche Verluste entstanden, wurden die Verträge verlängert. In den 80er Jahren wurden zur Erschwerung der Immigration verschiedene Massnahmen ergriffen, wie restriktiver Familiennachzug. Die BRD weigerte sich, die Niederlassung der ausländischen Bevölkerung anzuerkennen. Erst 1985 arbeitete sie ein Integrationsprogramm aus. Viele sehen die BRD als Einwanderungsland mit einer multikulturellen Gesellschaft (D'Amato). Die Regierung aber widersetzt sich dieser Sichtweise nach wie vor, wenn sie z.B. die Doppelbürgerschaft ablehnt (1999). |
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Heute leben 7,35 Millionen AusländerInnen in der BRD, das sind
8,9% der Gesamtbevölkerung, fast die Hälfte davon sind Frauen
(45,37%). Mit Abstand am meisten MigrantInnen kommen aus der Türkei
(28%), wobei die Frauen, wie auch aus anderen Nationen, gegenüber
den Männern in einer knappen Minderheit sind. Auffällig ist die Aufenthaltsdauer der ausländischen Bevölkerung. Mehr als 50% leben bereits seit mehr als 10 Jahren in der BRD, über 23% bereits länger als 25 Jahre. Die in Deutschland geborenen AusländerInnen hatten Ende 1995 bereits einen Anteil von 20,5% (Gutiérrez Rodríguez). Die ausländische Bevölkerung ist zu einem festen Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden und die BRD zum Lebensmittelpunkt vieler MigrantInnen. Grafik: >> Aufenthaltsdauer Trotz der langen Aufenthaltsdauer ist ihr Aufenthaltsstatus nicht gesichert. So besitzen Ende 1999 beispielsweise von den 2,053 Millionen TürkInnen 30% eine unbefristete und 36% eine befristete Aufenthaltserlaubnis. Nur 23% erhielten eine Aufenthaltsberechtigung. Auch in ihrer subjektiven Einschätzung empfinden viele AusländerInnen ihren Aufenthaltsstatus als ungesichert. 1995 wurden 1% der AusländerInnen eingebürgert (Gutiérrez Rodríguez). (Quelle: >> BAB) |
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| Erwerbstätigkeiten / Arbeitslosigkeit | |||||||||||||||||||||||
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Wenn von Ausländerbeschäftigung die Rede ist, herrscht immer noch die Vorstellung vor, dass Gastarbeiter ihre Frauen und Kinder im Rahmen des Familiennachzugs in die BRD geholt haben (Schötters/Treibel). Während der gesamten Anwerbezeit sind jedoch 20% weibliche Arbeitskräfte in die BRD migriert. Um 1970 war die Erwerbsquote von Migrantinnen fast doppelt so hoch, wie die der deutschen Frauen. Dies lässt darauf schliessen, dass Migrantinnen aus eigenem Interesse ihre Heimatländer verliessen. Als Gründe werden oft Abwechslung und grössere Selbständigkeit genannt (Schötters/Treibel). Nach der ökonomischen Krise der 70-er Jahre, verschob sich dieses Verhältnis von ausländischen zu deutschen Arbeitnehmerinnen zu Ungunsten der Ausländerinnen. Heute ist die Erwerbsquote deutscher Frauen höher als bei den Migrantinnen. Grafik: >> Erwebsquote Seit den 90er Jahren hat sich die Erwerbssituation für Migrantinnen verschlechtert. Sie machen 92% aller Teilzeitarbeiterinnen aus und ihre Beschäftigung ist durch Flexibilisierung und Entgarantierung gekennzeichnet (Gutiérrez Rodríguez). |
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Bevor wir auf die hohe Arbeitslosigkeit eingehen, möchten wir zuerst die Stellung im Beruf von AusländerInnen und Deutschen vergleichen, um einen Strukturwandel mit Folgen auf die Beschäftigungssituation zu thematisieren. Die Zahlen liegen nicht nach Geschlecht getrennt vor. Grafik: >> Stellung im Beruf Migrantinnen sind meist in der Textil- und Elektroindustrie, der Gastronomie, Krankenpflege und Raumpflege in unqualifizierten Arbeitsbereichen beschäftigt, mit geringen oder keinen Aufstiegsmöglichkeiten (Schötters/Treibel). Sie werden folglich als Arbeiterinnen klassifiziert. Die Qualifikationen, die diese Migrantinnen sich entweder in ihrem Herkunftsland oder in der BRD erarbeitet haben, sind vielfach höher, als es der ausgeübte Beruf verlangt. So schreibt Gutiérrez Rodríguez: "Von den Berufsberatungsstellen werden Migrantinnen häufig unzulänglich beraten, indem sie vorschnell auf pflegende und wenig qualifizierte Dienstleistungsberufe hin orientiert werden. Hochqualifizierte Migrantinnen finden meistens nur in sozialen Berufen im Feld der 'Ausländersozialarbeit' eine Anstellung, unabhängig davon, ob sie in diesem Feld ausgebildet sind oder nicht. Das professionelle Wissen wird dadurch abgewertet, während die nationale Herkunft zum entscheidenden Einstellungskriterium erhoben wird." (Gutiérrez Rodríguez S.24). Diese Abwertung der Qualifikationen macht sich auch im Einkommen bemerkbar. So stieg bei ausländischen Männern das Bruttoeinkommen zwischen 1984 und 1991 von 1775 auf 2296 DM, ausländische Frauen erreichten nur eine Steigerung von 1097 auf 1206 DM und damit eine Reduktion auf gut 50% der Männereinkommen. |
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In den letzten 15 Jahren hat sich die Situation der AusländerInnen
auf dem Arbeitsmarkt wesentlich verschlechtert. Hönekopp meint,
die Erwerbsbeteiligung der AusländerInnen seien "fast schon
dramatisch gesunken" (Hönekopp S. 63). Gleichzeitig ist die
Erwerbsbeteiligung der Deutschen gestiegen, hauptsächlich durch eine
höhere Erwerbsneigung der Frauen. Grafik: >> Arbeitslosigkeit AusländerInnen sind doppelt so stark von Arbeitslosigkeit betroffen, wie Deutsche. Nicht nur, weil AusländerInnen in der Mehrzahl als ArbeiterInnen tätig sind, sie sind auch häufiger arbeitslos als deutsche ArbeiterInnen (3). Dies könnte mit geringeren Qualifikationen zusammenhängen. So haben 1999 78% der arbeitslosen AusländerInnen keine abgeschlossene Berufsausbildung, oder sie ist unbekannt oder nicht anerkannt (Ausbildungen im Herkunftsland werden oft nicht anerkannt). Bei der deutschen Bevölkerung haben dagegen nur 37,9% der Arbeitslosen keinen Berufsabschluss. Tabelle: >> Arbeitslosigkeit nach Strukturmerkmalen Die Situation der weiblichen Arbeitslosen ist aus den Statistiken nicht vollumfänglich erfassbar. Unseres Erachtens sind sie etwa gleich betroffen wie die ausländischen Männer (4). Die Problematik liegt jedoch nicht in den Arbeitslosenzahlen, sondern im Rückgang der Erwerbsquote von Migrantinnen (Schötters/Treibel). Sie sind von Entlassungen schneller betroffen als deutsche Frauen und ausländische Männer, melden sich aber seltener arbeitslos. Es wird mit einer hohen Dunkelziffer von Migrantinnen gerechnet, die sich aus dem Erwerbsleben zurück in die Familien drängen liessen und lassen. Die ausländischen Frauen werden so zur 'Manövriermasse' von konjunkturellen und strukturellen Wirtschaftsschwankungen (Gutiérrez Rodríguez). |
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| Bildungsaufstieg | |||||||||||||||||||||||
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Um die hohen Arbeitslosigkeit gerade unter MigrantInnen abzubauen, werden meist Bildungsinvestitionen vorgeschlagen. Hönekopp fordert erhöhte Anstrengungen, um die in der BRD ansässigen AusländerInnen für den Wettbewerb um Arbeitsplatze besser zu qualifizieren, besonders für Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich, die weiter zunehmen werden. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass ausländische SchülerInnen eine gut qualifizierte Ausbildung erhalten und diese Angebote auch nutzen. Ein Blick auf die Bildungsexpansion zeigt, dass sich das Qualifikationsniveau tatsächlich verbessert hat, dass aber damit die Probleme der Arbeitslosigkeit und der prekäre Arbeitsverhältnisse nicht gelöst werden können. In den 60-er und 70-er Jahre erfolgte in Westeuropa und vor allem in der Bundesrepublik eine Bildungsexpansion, die generell zu höheren Bildungsabschlüssen führte. Am meisten profitierten die Kinder der ArbeiterInnen und der MigrantInnen. So ist der Anteil der MigrantInnenkinder ohne Abschluss von 34,5 Prozent im Jahre 1983 auf 15,4 Prozent im Jahre 1995 gesunken. Nach wie vor besitzen aber MigrantInnenkinder häufiger keinen Abschluss als deutsche Kinder. Nach Geschlechtern betrachtet, haben die MigrantInnentöchtern in den 90-er Jahren einen Bildungsaufstieg zu verzeichnen und sogar qualifiziertere Abschlüsse als junge ausländische Männer vorzuweisen, wie Statistiken zur Entwicklung ausländischer Studierender belegen. Trotzdem erleben die jungen ausländischen Frauen im Berufsalltag eine Abwertung ihrer Qualifikationen. So werden sie von Arbeitsämtern zumeist für Berufe in der Gastronomie, dem Pflege- und Sozialbereich vermittelt mit in der Regel schlechteren Arbeitsbedingungen (geringer Verdienst, höhere Arbeitsplatzrisiken, geringe Aufstiegsmöglichkeiten) als in Dienstleistungsberufen der Verwaltung oder des Finanzbereichs. Gleichzeitig mit der Bildungsexpansion korrelierten die Abschlüsse immer weniger mit den Arbeitsstellen / Positionen. Ein Abschluss garantiert noch keine entsprechende Stelle. Damit haben die Abschlüsse eine Abwertung erfahren. Nach Bourdieu tritt das soziale Kapital in den Vordergrund, d.h. die sozialen Kontakte (Beziehungen, Empfehlungen) und Verhaltenscodizes. Je nach Konjunktur bedeutet dies, dass der soziale Hintergrund als Einstellungskriterium zentral wird. Zum sozialen Hintergrund gehören: Klassenstatus, Nationalität, Hautfarbe, Geschlecht. Auch in Frauenförderungsprogrammen tritt diese klassenimmanente und nationalistische Rekrutierungspraxis zu Tage. Deutsche Frauen sind betroffen von der Diskrepanz der Verfassungsnorm (Gleichberechtigung) und der Verfassungswirklichkeit (asymmetrisches Geschlechterverhältnis). Auf Grund der ausländerrechtlichen Gesetzgebung sind Migrantinnen auf institutioneller Ebene mit der deutschen Bevölkerung nicht gleichgestellt. Sie sind über dies rassistischen Angriffen ausgesetzt, die nicht formalisiert sind, also gesellschaftliche und kulturelle Praktiken bezeichnen.
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| Dreifache Vergesellschaftung der Migrantinnen | |||||||||||||||||||||||
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Mit biografisch-narrativen Interviews zeigt Gutiérrez Rodríguez die gesellschaftlichen Konstruktions- und Konstitutionsprozesse auf. Migrantinnen sind komplexen Relationen in einer dreifachen Vergesellschaftung unterworfen. "Im Sinne der dreifache Vergesellschaftung von Ilse Lenz erfahren Frauen nicht nur eine Vergesellschaftung über das Klassen- und Geschlechterverhältnis, sondern auch insbesondere durch die Einbindung in den Nationalstaat und auf internationaler Ebene." (Gutiérrez Rodríguez 1999:249) Gutiérrez Rodríguez führte 15 narrative Interviews durch und stellte
6 exemplarisch in ihrer Publikation vor, die die allgemeinen und spezifischen
Charakteristiken von Arbeitsmigrantinnen dokumentieren. Als Subgruppen
wählte sie aus: |
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| Strukturelle Merkmale von Differenzierungs- und Hierarchisierungsverhältnissen, die aus der Analyse der Interviews festgestellt wurden: | |||||||||||||||||||||||
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| Lösungsvorschläge | |||||||||||||||||||||||
| Die Beauftragte der
Bundesregierung für Ausländerfragen (BAB) thematisiert vor allem
die fehlende Integrationspolitik als Ursuche der Migrationsprobleme und
unterbreitet einen Vorschlag, welcher Massnahmen zur Verbesserung der
Situation von MigrantInnen enthält. Als Voraussetzung benennt sie
die Anerkennung der Zuwanderung als Faktum (wie oben beschrieben begreift
sich die BRD nicht als Einwanderungsland) und damit die Aufgabe der Integration
als dauerhaften Prozess. Auf der Basis dieser Anerkennung müssten
die rechtliche Gleichstellung angestrebt, die politische Partizipation
gefördert, strukturelle Benachteiligungen beseitigt, rassistischer
Ausgrenzung und Anschlägen wirkungsvoll entgegen gewirkt, die interkulturelle
Öffnung gestärkt werden. Sie schlägt als konkrete Massnahme
einen Integrationsvertrag vor, der ZuwanderInnen verpflichtet, Sprach-
und Integrationskurse zu besuchen. Als positive 'Sanktionen' werden den
MigrantInnen nach erfolgreichem Absolvieren der Kurse rechtliche Verbesserungen
angeboten, wie unbefristetes Aufenthaltsrecht, vereinfachter Erwerb der
Staatsbürgerschaft, Zugang zum Arbeitsmarkt (Arbeitsbewilligungen).
Auch wenn Integration vom Staat nicht verordnet werden kann, schlägt sie Gesetzesänderungen zur Integrationsförderung vor. (Bericht: Anstösse zum Thema Integration I und II) |
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| Schlussfolgerungen | |||||||||||||||||||||||
| Diese Untersuchungen und Analysen zeigen ein ziemlich düsteres Bild der Situation von Migrantinnen und eine gleichberechtigte, interkulturelle Gesellschaft scheint in weiter Ferne. Konkrete Konzepte, wie diese Situation verbessert werden könnte, sind kaum in Sicht. In Anbetracht, dass Migrantinnen in der Forschung lange Zeit nicht als eigenständig Handelnde wahrgenommen wurden, liegen nun aber Untersuchungen vor, die einen differenzierten Blick auf ihre Situation werfen und vielleicht mögliche Handlungsräume für ihre Besserstellung in Gesellschaft und Politik öffnen. | |||||||||||||||||||||||
| Anmerkungen | |||||||||||||||||||||||
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| Literatur | |||||||||||||||||||||||
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D'Amato, Gianni: Vom Ausländer zum Bürger. Die Einwirkung
der Immigrantenbevölkerung auf die Problematik der politischen
Integration moderner Gesellschaften am Beispiel Deutschland, Frankreich
und der Schweiz. 1998 |
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| Beck,
Marieluise; Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen
>> http://www.bundesauslaenderbeauftragte.de/ Anstösse zum Thema Integration Bericht I und Bericht II |
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| Gutiérrez
Rodríguez, Encarnacíon: Intellektuelle Migrantinnen - Subjektivitäten
im Zeitalter der Globalisierung. Eine postkoloniale dekonstruktive Analyse
von Biographien im Spannungsverhältnis von Ethnisierung und Vergeschlechtlichung.
1999 |
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| Hönekopp,
Elmar: Arbeitsmarktzugänge und Arbeitsmarktsituation für
Migranten: aktuelle Befunde und Perspektiven. in: Zukunft der Arbeit IV:
Arbeit und Migration; Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung. S. 62-65.
2000 |
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Potts, Lydia: Migrantinnen im Weltmarkt für Arbeitskraft in:
Heute hier - morgen fort. Migration, Rassismus und die (Un)Ordnung des
Weltmarkts; hg. von Iz3W, 1993 |
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Sassen, Saskia: Überlegungen zu einer feministischen Analyse
der globalen Wirtschaft in: PROKLA Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft,
Heft 111, 1998 |
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| Schöttes,
Martina / Treibel, Annette: Frauen - Flucht - Migration. Wanderungsmotive
von Frauen und Aufnahemsituationen in Deutschland. in: Soziale Welt: Transnationale
Migration; Hrsg. Pries, Ludger. S. 85-117. 1997 |
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Weitkamp, Rolf: Spielball des deutschen Arbeitsmarktes. Zur
rechtlichen Hierarchisierung von MigrantInnen in: Zwischen Flucht und
Arbeit; hg. von BUKO, 1995 |
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Young, Brigitte: Genderregime und Staat in der globalen Netzwerkökonomie
in: PROKLA Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, Heft 111, 1998
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