Herbert Distel

Das Schubladenmuseum
1969-76

 

 

     

Das kleinste Museum für moderne Kunst im 20. Jahrhundert mit Werken von über 500 KünstlerInnen.

Aus dem Katalog:
Das Schubladenmuseum, ein ausgedienter Nähseidenspulenkasten aus einem alten Merceriegeschäft, beinhaltet 500 kleine Räume, verteilt auf 20 Schubladen zu je 25 Fächern. Jeder Raum misst 5,7 cm in der Breite, 4,3 cm in der Höhe und 4,8 cm in der Tiefe. In jedem der 500 Räume ist ein originales Werk eines zeitgenössischen Künstlers untergebracht. Das ganz Museum steht auf dem 501. Werk, dem Metallsockel von Ed Kienholz."

Das Schubladenmuseum wurde 1972 mit ca. 140 Werken an der documenta 5 ausgestellt, ab Herbst 1976 mit 501 Werken in verschiedenen Museen in Europa. Das Schubladenmuseum lässt sich leicht transportieren und ohne grossen Aufwand ausstellen.

Das Schubladenmuseum beinhaltet Werke von KünstlerInnen des 20 Jahhundert aus aller Welt mit einem Schwerpunkt der bildenen KünstlerInnen der 60er und 70er Jahre. Die meisten Beiträge wurden extra für das Schubladenmuseum hergestellt. "Das Schubladenmuseum könnte somit als miniaturisierte Weltkunst des 3. Viertels des 20. Jahhunderts bezeichnet werden. ... Im Muesum of Drawers ist ein Grad an Repräsentativität erreicht, der die meisten Museumsdirektoren vor Neid erblassen liesse.
Distel konnte sein Museum aufbauen ohne Rücksicht auf Kommissionen oder finanzielle Grenzen. Die KünstlerInnen haben für ihre Werke kein Honorar gefordert, weil Distel von anfang an vorgesehen hatta, das Schubladenmuseum einem grösserem Museum (dem Kunsthaus Zürich) zu schenken.

Die einzelnen Schubladen ergeben ein kunterbuntes Bild, sind wie bei Boodthaers nicht geodnet nach inhaltlichen oder historischen Kriterien, sondern durcheinander gewürfelt. Das Schubladenmuseum stellt nicht nur Werke von KünsterlInnen aus, sondern wird selbst zum Kunstwerk. Auch Herbert Distel ist ein Künstlerkurator.

Wie gehen die einzelnen KünstlerInnen mit dem Raum um?

Bemerkenswert sind 2 Werke, die das Museum selbst thematisieren:
- Robert Ballagh mit People with modern Paintings (1976), das einen Ausstellungsbesuch von drei Leuten nachstellt.
   Ein Museum im Museum im Museum.
- Marinus Boezem mit This is a Museum Room (1971), wo der Titel als Text geschreiben steht und signiert ist.
- Douglas Hübler (1973) mit dem Text: "I would like to invite every other artist in this museum to visit my room...any time...to engage in whatever social intercourse we choose to pass away the infinity of our confiement here..."

Vieler KünstlerInnen stellen Bilder in den kleinen Raum, wie wenn die Bilder in einem traditionellen Museum ausgestellt würden. Z.B. Warhol, Dekkers Ger, Buchholz, Copley, Laub, Sorge etc.

Einen Medientransfer findet sich bei Chris Burden, der einen Filmstreifen auf Papier gedruckt hat, bei Walter Giers und seiner elektronischen Musik, bei Troller, der einen Motor beigesteuert hat und der Beta-Licht Skulptur von Janos Urban.

 

Biografie:

Herbert Distel: geboren 1942 in Bern. Ausbildung zum bildenden Künstler an der Kunstgewerbeschule in Biel und an der Ecole des Beaux-Arts in Paris. Dramaturgie und Schauspielführung bei Krzysztof Kieslowski und Edward Zerbrowski in Berlin.

Video: Die Angst die Macht die Bilder des Zauberlehrlings, CH 1987-93

 

 

 

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