Das kleinste Museum für moderne Kunst im 20. Jahrhundert
mit Werken von über 500 KünstlerInnen.
Aus dem Katalog:
Das Schubladenmuseum, ein ausgedienter Nähseidenspulenkasten aus
einem alten Merceriegeschäft, beinhaltet 500 kleine Räume,
verteilt auf 20 Schubladen zu je 25 Fächern. Jeder Raum misst 5,7
cm in der Breite, 4,3 cm in der Höhe und 4,8 cm in der Tiefe. In
jedem der 500 Räume ist ein originales Werk eines zeitgenössischen
Künstlers untergebracht. Das ganz Museum steht auf dem 501. Werk,
dem Metallsockel von Ed Kienholz."
Das Schubladenmuseum wurde 1972 mit ca. 140 Werken an
der documenta 5 ausgestellt, ab Herbst 1976 mit 501 Werken in verschiedenen
Museen in Europa. Das Schubladenmuseum lässt sich leicht transportieren
und ohne grossen Aufwand ausstellen.
Das Schubladenmuseum beinhaltet Werke von KünstlerInnen
des 20 Jahhundert aus aller Welt mit einem Schwerpunkt der bildenen
KünstlerInnen der 60er und 70er Jahre. Die meisten Beiträge
wurden extra für das Schubladenmuseum hergestellt. "Das Schubladenmuseum
könnte somit als miniaturisierte Weltkunst des 3. Viertels des
20. Jahhunderts bezeichnet werden. ... Im Muesum of Drawers ist ein
Grad an Repräsentativität erreicht, der die meisten Museumsdirektoren
vor Neid erblassen liesse.
Distel konnte sein Museum aufbauen ohne Rücksicht auf Kommissionen
oder finanzielle Grenzen. Die KünstlerInnen haben für ihre
Werke kein Honorar gefordert, weil Distel von anfang an vorgesehen hatta,
das Schubladenmuseum einem grösserem Museum (dem Kunsthaus Zürich)
zu schenken.
Die einzelnen Schubladen ergeben ein kunterbuntes Bild,
sind wie bei Boodthaers nicht geodnet nach inhaltlichen oder historischen
Kriterien, sondern durcheinander gewürfelt. Das Schubladenmuseum
stellt nicht nur Werke von KünsterlInnen aus, sondern wird selbst
zum Kunstwerk. Auch Herbert Distel ist ein Künstlerkurator.
Wie gehen die einzelnen KünstlerInnen mit dem
Raum um?
Bemerkenswert sind 2 Werke, die das Museum selbst thematisieren:
- Robert Ballagh mit People with modern Paintings (1976), das einen
Ausstellungsbesuch von drei Leuten nachstellt.
Ein Museum im Museum im Museum.
- Marinus Boezem mit This is a Museum Room (1971), wo der Titel als
Text geschreiben steht und signiert ist.
- Douglas Hübler (1973) mit dem Text: "I would like to invite
every other artist in this museum to visit my room...any time...to engage
in whatever social intercourse we choose to pass away the infinity of
our confiement here..."
Vieler KünstlerInnen stellen Bilder in den kleinen
Raum, wie wenn die Bilder in einem traditionellen Museum ausgestellt
würden. Z.B. Warhol, Dekkers Ger, Buchholz, Copley, Laub, Sorge
etc.
Einen Medientransfer findet sich bei Chris Burden, der
einen Filmstreifen auf Papier gedruckt hat, bei Walter Giers und seiner
elektronischen Musik, bei Troller, der einen Motor beigesteuert hat
und der Beta-Licht Skulptur von Janos Urban.
Biografie:

Herbert Distel: geboren 1942 in Bern. Ausbildung zum bildenden
Künstler an der Kunstgewerbeschule in Biel und an der Ecole des
Beaux-Arts in Paris. Dramaturgie und Schauspielführung bei Krzysztof
Kieslowski und Edward Zerbrowski in Berlin.
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CH 1987-93