|
Hans
Magnus Enzensberger
Hommage an Gödel
Münchhausens
Theorem, Pferd, Sumpf und Schopf,
ist bezaubernd, aber vergiss nicht:
Münchhausen war ein Lügner.
Gödels
Theorem wirkt auf den ersten Blick
Etwas unscheinbar, doch bedenk:
Gödel hat recht.
"In
jedem genügend reichhaltigen System
lassen sich Sätze formulieren,
die innerhalb des Systems
weder beweis- noch widerlegbar sind,
es sei denn das System
wäre selber inkonsistent."
Du
kannst deine eigene Sprache
in deiner eigenen Sprache beschreiben:
aber nicht ganz.
Du kannst dein eigenes Gehirn
mit deinem eigenen Gehirn erforschen:
aber nicht ganz
Usw.
Um
sich zu rechtfertigen
muss jedes denkbare System
sich transzendieren,
d.h. zerstoeren.
"Genügend
reichhaltig" oder nicht:
Widerspruchsfreiheit
ist eine Mangelerscheinung
oder ein Widerspruch.
(Gewissheit
= Inkonsistenz)
Jeder
denkbare Reiter,
also auch Münchhausen,
also auch du bist ein Subsystem
eines genügend reichhaltigen Sumpfes.
Und
ein Subsystem dieses Subsystems
Ist der eigene Schopf,
dieses Hebezeug
fuer Reformisten und Lügner.
In jedem genügend reichhaltigen System
also auch in diesem Sumpf hier,
lassen sich Saetze formulieren,
die innerhalb des Systems
weder beweis- noch widerlegbar sind.
Diese
Sätze nimm in die Hand
Und zieh!
------------------------------------------
Zitiert nach: Hans Magnus Enzensberger.
Die Elixiere der Wissenschaft.
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2002.
|
Maurits
Cornelis Escher


|
|
Der
Unvollständigkeitssatz von Kurt Gödel lautet (vereinfacht):
Jeder widerspruchsfreie Kalkül (ein geschlossenes formales
System), der es erlaubt, von den natürlichen Zahlen zu sprechen,
der also die elementare Arithmetik umfasst, enthält unendlich
viele Aussagen, die in diesem Kalkül weder bewiesen noch
widerlegt werden können.
Solche
Aussagen heissen unentscheidbar.
Beispiel:
Der Kreter Epimenide sagt, dass alle Kreter lügen.
Widerspruchsfreiheit
in einem formalen System:
Jeder Satz, wenn er interpretiert wird, führt zu einer wahren
Aussage.
Wiedersprüchlichkeit:
Unter den interpretierten Sätzen gibt es mindestens eine
falsche Aussage. Dabei handelt es sich um einen semantischen Widerspruch,
der nur in Bezug zu unseren Erfahrungen geleistet werden kann.
Die systemimmanenten Widersprüche sind formaler (oder syntaktischer)
Natur und treten auf, wenn mindestens 2 Sätze sich nicht
vertragen. Z.B. kann etwas nicht gleichzeitig rot und nicht-rot
sein.
Antinomien:
echte unaufllösliche Widersprüche (im Gegensatz zur
Paradoxie, die nur einen scheinbarer Wiederspruch darstellt)
"Mit der Arbeit des Logikers Kurt Gödel wurden Selbstbezüglichkeiten
ins Zentrum der Computertheorie gerückt. Wesentliche Erkenntnisse
über die Grenzen der Berechenbarkeit beruhen auf der Tatsache,
dass hinreichend komplexe Systeme (lebende Organismen, aber auch
Maschinen) zur Selbstreferenz fähig sind. Wenn Systeme Aussagen
über sich selbst, ihre Eigenschaften und Verhalten machen,
können sie sich in unauflösbare Widersprüche verstricken."
Solche Phänomene nennt man Antinomien.
"Die drei Kennzeichen semantischer Antinomien sind:
- Selbstbezogenheit:
'Dieser Satz enthält fünf Wörter.' Ist selbstbezogen,
aber weder widersprüchlich noch zirkelhaft.
- Widersprüchlichkeit:
'Dieser Satz enthält sechs Wörter'. Ist selbstbezogen
und widersprüchlich, aber nicht zirkelhaft.
- Zirkelhaftigkeit:
'Dieser Satz ist falsch'. Ist selbstbezogen und widersprüchlich,
aber auch zirkelhaft."
Trogemann,
Viehoff: Code@Art, S. 90/1
Gödels
Unvollständigkeitssatz besagt nun Folgendes: dass es
in der Zahlentheorie (Arithmetik) Wahrheiten gibt, die nicht bewiesen
werden können.
Vollständigkeit:
Lässt sich in einer Sprache der Wahrheitswert grundsätzlich
aus ihren Axiomen deduzieren (herleiten), wir diese Sprache vollständig
genannt.
Bsp: Schach oder Go. Unvollständigkeit würde bedeuten,
dass es Spielstellungen geben kann, die nicht von der Anfangsposition
erreicht werden können unter Einhaltung der Spielregeln.
Nach
Gödel ist jedes logische System, das hinlänglich komplex
ist (die Zahlentheorie enthält), entweder unvollständig
oder widersprüchlich. Es gibt arithmetische Ausagen, deren
Wahrheit oder Falschheit nicht mit Hilfe der Axiome und Rechenregeln
bewiesen werden kann. Gödel hat mit der Logik bewiesen, dass
es Dinge gibt, die nicht beweisbar sind.
Oder:
es gibt mathematische Probleme, die sind berechenbar und andere
sind nicht-berechenbar.
Freeman
Dyson: "Gödel hat bewisen, dass reine Mathematik unerschöpflich
ist; keine endliche Reihe Axiome und Interferenzregeln wird den
ganzen Umfang der Mathematik erfassen. Bei jeder beliebigen Menge
Axiome lassen sich sinnvolle mathematische Fragestellungen finden,
die von diesen Axiomen nicht beantwortet werden. ... Sofern ich
die Zukunft richtig einschätze, ist auch die Welt der Physik
und die Welt der Astronomie unerschöpflich. Wir mögen
noch so weit in die Zukunft vorausblicken, es werden immer wieder
neue Dinge passieren, neue Informationen auftauchen, neue Welten
zu entdecken sein, und Leben, Bewusstsein und Gedächtnis
werden immerzu weiterwachsen." (John D. Barrow: Die Entdeckung
des Unmöglichen, Heidelberg-Berlin 1999, S. 324)
|
|
Turing-Maschine
>> Simulation
Alan
Turing gelang über die Konstruktion der Turing-Maschine zum
Beweis, dass es nicht-berechenbare Funktionen (Zahlen) geben muss,
denn alle berechenbaren Funktionen können in eine stetige
und endliche Kette von Einzelschritten aufgelöst und in einer
universellen Turing-Maschine ausgeführt werden. Es gibt aber
Funktionen, die nicht auf eine endliche Kette von Einzelschritten
reduziert werden können. Dies betrifft zirkuläre
(selbstbezügliche) Funktionen wie das Halteproblem (analog
dem Beispiel der Kreter oben).
Eine
Ameise befindet sich ursprünglich auf einem zunächst
weißen Raster und läuft in eine beliebige Richtung
(in der Bilderserie nach unten). Wenn sie ein neues Feld betritt,
so gelten folgende Regeln:
1. Ist das Feld weiß, so färbt sie es
schwarz und dreht sich um 90 Grad nach rechts.
2. Ist das Feld schwarz, so färbt sie es weiß und dreht
sich um 90 Grad nach links.
Danach läuft sie auf das nächste Feld
in der neuen Blickrichtung.
In den ersten 10.000 Schritten entsteht ein komplexes,
chaotisches Muster. Danach bildet sich eine regelmäßige
Struktur . Der Algorithmus gibt symmetrische Regeln vor, jedoch
sind die entstehenden Muster asymmetrisch. Dieses streng deterministische
Muster ist nur durch obige Anweisungen reproduzierbar.
Beispiel:
>>
|