>>
Computer aus vergangenen Zeiten
Unsterbliche:
Friedrich Kittler: "Unsterbliche - Nachrufe, Erinnerungen,
Geistergespräche" , 2004
Diese Unsterblichen sind Wiener,
Turing, von Neumann, Shannon (und Lacan), die während des 2.
Weltkrieges den modernen Computer erfunden und wichige theoretische
Grundlagen verfasst haben.
Alan Turing:

"Wir wissen ferner, daß er sich sorgfältig
isoliert hat; daß er Zerlumptes trug, im Zwischendeck reiste,
in Absteigen schlief. Offenbar war er darauf bedacht, sich zu löschen.
Eines Nachts hat er sich in seinem Landhaus, einer Bruchbude, wie in
einem Roman von Agatha C., aus Versehen vielleicht, mit Zyankali vergiftet."
aus: Hans Magnus Enzensberger: Die Elixiere der Wissenschaft. 2002
Seine erste Biographin, die Mutter Sara, hat bestritten,
dass es Suizid war, doch die gefundenen Belege, speziell der halbverspeiste
Apfel mit Zyankali-Rückständen, lassen kaum einen anderen
Schluss zu. Am 7. Juni 1954 beging Alan Turing, einer der ganz großen
Pioniere der Informatik, in seinem Haus in Wilmslow bei Manchester Selbstmord
durch Vergiften. Er war knapp 42 Jahre alt. Turings Motive bleiben unklar,
hängen aber zweifellos mit seiner Homosexualität zusammen.
1952 war er wegen "sexueller Perversion" angeklagt und verurteilt
worden; um einer Haft zu entgehen, unterwarf er sich einer brutalen
Hormontherapie, die ihn depressiv machte.
(Auf diesen angebissenen, vergifteten Apfel soll das Apple-Logo zurück
gehen.)
Turings Ruhm gründet auf mehreren Pfeilern. Als Kryptologie-Spezialist
in Bletchley Park war er während des 2. Weltkriegs maßgeblich
an der Brechung der legendären deutschen Chiffriermaschine Enigma
beteiligt. Schon vorher hatte er sich an der Universität Cambridge,
wo er unter anderem Ludwig Wittgenstein hörte, in mathematischer
Logik ausgezeichnet. 1936 beschäftigte er sich in seinem berühmten
Aufsatz mit dem Entscheidungsproblem der Prädikatenlogik
-- ob jede Tautologie nachweisbar ist -- und erfand zu diesem Zweck
die Turing-Maschine, die theoretische Urform des Computers. Nach
1945 befasste er sich dann mit Digitalrechnern und mit Schachprogrammen.
1950 schlug er in einem berühmten Aufsatz eine originelle Methode
vor, um Maschinen auf Denkfähigkeit zu testen, den Turing-Test.
Aufgrund seiner Leistungen, seiner Persönlichkeit
und seines traurigen Schicksals ist Alan Turing heute einer der populärste
Informatik-Pionier. (nach Heise Online)
Entscheidungsproblem:
1931 hat Kurt Gödel bewiesen, dass ein formales System
(Arithmetik) nicht gleichzeitig vollständig und widerspruchsfrei
sein kann. Es gibt arithmetische Aussagen, deren Wahrheit oder Falschheit
nicht mit Hilfe der Axiome und Rechenregeln bewiesen werden kann. Gödel
hat mit der Logik bewiesen, dass es Dinge gibt, die nicht beweisbar
sind.
1936 schrieb Turing seine grundlegende Arbeit On Computable
Numbers, with an Application to the Entscheidungsproblem, in der
er die Ergebnisse von Gödel neu formuliert in einem einfachen formalen
Gerät: die Turing-Maschine. Die Turing-Maschine ist ein Gerät
aus Bleistift und Papier:
Die Turingmaschine ist ein abstraktes Modell eines Rechners, der mit
nur drei Operationen (lesen, schreiben und Kopf bewegen) sämtliche
berechenbaren Probleme lösen kann.
Er bewies damit Gödels Satz und, dass es möglich
ist: "jedes vorstellbare mathematische Problem zu lösen,
sofern dieses auch durch einen Algorithmus gelöst werden kann".
Damit hat er einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der modernen
Computer geleistet.
Kryptologie:
1939 zogen die Allierten in Bletchley Park in der Nähe
von London ein. Dort wurde, top secret, der Funkverkehr der Deutschen
versucht zu entschlüsseln. Turing wurde zur Entschlüsselung
einberifen. Hier abeiteten und Wohnten 1000 bis zu 10000 Personen.
Bletchley Park: das Herrenhaus
In der 'Hut 6' hat Turing mit seinen Kollegen den Code
der deutschen Enigma geknackt:

Zur Entschlüsselung der möglichen Kombinationen,
die trotz Reduzierung durch Ausschluss unmöglicher Permutationen,
immer noch gewaltig waren, wurden zuerst unzählige Frauen beschäftigt,
die die Kombinationen manuell durch zu rechnen hatten. Der Begriff Computer
geht auf diese Tätigkeit der Frauen des Rechnes zurück. Turing
entwarf einen ersten elektronischen Röhren-Computer, der diese
Kombinationen viel schneller berechnen konnte. Dieser Rechner wurde
Colossus genannt. Zeitkritisch waren diese Berechnungen, weil
die verschlüsselte Information nicht lange aktuell war.
Weiter half Turing die sogenannten Bomben zu entwickeln:
Dabei handelte es sich um elektromechanische Geräte, die mehrere
nachgebaute Enigma-Maschinen verbanden und so in der Lage waren, viele
mögliche Schlüsseleinstellungen der Enigma-Nachrichten zu
testen und zu eliminieren.
Ein sehr ausführlicher Text zur Enigma findet man
auf Wikipedia.
Turing-Test:
Nach dem Krieg beschäftigte sich Turing mit Künstlicher
Intelligenz und entwarf den Turing-Test:
Der test besteht darin, dass ein menschlicher Fragesteller über
eine Tastatur und einen Bildschirm ohne Sicht- und Hörkontakt mit
zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern eine Unterhaltung führt.
Der eine Gesprächspartner ist ein Mensch, der andere eine Maschine.
Beide versuchen, den Fragesteller davon zu überzeugen, dass sie
denkende Menschen sind. Wenn der Fragesteller nach der intensiven Befragung
nicht klar sagen kann, welcher von beiden die Maschine ist, hat diese
den Turing-Test bestanden.
John von Neumann
John von Neumann mit der EDVAC
John von Neumann wurde am 28. Dezember 1903 - als Neumann
Janocz - in Budapest geboren. János Neumann entstammte einer
jüdischen Bankiersfamilie, die durch den Kauf eines Adelstitels
beim König von Ungarn in den Adelsstand erhoben worden war. Schon
als Kind zeigte er jene phänomenale Intelligenz, die später
das Staunen selbst von Nobelpreisträgern hervorrief. Als Sechsjähriger
konnte er mit schwindelerregender Geschwindigkeit achtstellige Zahlen
im Kopf dividieren. Er besaß ein fotografisches Gedächtnis,
das ihm beispielsweise Schon als Gymnasiast glänzte er durch mathematische
Leistungen und veröffentlichte mit 17 Jahren seinen ersten mathematischen
Artikel. Parallel zu seinem Studium der Chemie in Berlin und Zürich
(ETH) promovierte er mit 23 Jahren in Mathematik an der Budapester Universität
mit Bestnote. Dann Privatdozent an verschiedenen deutschen Universitäten.
1930 wurde nach Princeton, USA, berufen. Dort arbeitete
er mit namhaften Wissenschaftlern wie A. Einstein zusammen. Während
des 2. Weltkrieges wirkte John von Neumann ab 1943 im "Manhattan-Projekt"*
in Los Alamos mit. Durch die dabei anfallenden aufwendigen Berechnungen
wie auch durch seine anderen Forschungsarbeiten (Hydrodynamik) war er
auf die ersten großen Computer gestoßen, die zu der Zeit
in Relais- oder Röhrentechnik arbeiteten und mühsam durch
das Stöpseln von Kabeln programmiert werden mußten. Sein
wesentlicher Beitrag auf diesem Gebiet war die Entwicklung einer universellen
Computer-Architektur ("von-Neumann"-Architektur).
* "Manhatten Projekt" war die Deckbezeichnung
für das Projekt, unter dem alle Tätigkeiten der USA während
des Zweiten Weltkrieges ab 1942 zur Entwicklung und zum Bau einer Atombombe
ausgeführt wurden. Das Manhattan-Projekts wurden vom Physiker J.
Robert Oppenheimer geleitet.
Nach ihm wurde die so genannte Von-Neumann-Architektur
(auch: Von-Neumann-Rechner) benannt, ein Computer, in dem Daten und
Programm binär codiert im selben Speicher liegen. Das Programm
selber kann somit im laufenden Rechenvorgang verändert werden und
durch bedingte Sprungbefehle von der festgelegten Reihenfolge der gespeicherten
Anweisungen abweichen. Es definiert in loser Analogie zum menschlichen
Hirn (wie er im Report schreibt) eine Rechnerarchitektur aus Steuereinheit
und arithmetischer Einheit sowie eine Speichereinheit.
Die Befehle werden seriell abgearbeitet. Er beschrieb dieses Prinzip
1945 im First Draft of a Report on the EDVAC. Der Bericht war eigentlich
als Diskussionsbericht mit der ENIAC Gruppe (gilt als erster Von-Neumann-Computer)
gedacht und blieb zunächst unveröffentlicht, kursierte jedoch
schnell in wissenschaftlichen Kreisen. So gut wie alle modernen Rechner
beruhen auf von Neumanns Idee.
Bem: die wesentlichen Punkte der Von-Neumann-Architektur hatte aber
bereits Zuse 1936 beschreiben.
Von Neumann starb nach einem qualvollen Krebsleiden, das
möglicherweise durch seine Teilnahme an Nukleartests verursacht
worden war. Noch auf dem Totenbett schrieb er an seinem Buch "Die
Rechenmaschine und das Gehirn", in dem er den Besonderheiten des
"Computers" im menschlichen Kopf nachging. Er gilt als einer
der genialsten und vielseitigsten Mathematiker des 20. Jahrhunderts.
Sein eigentliches Vermächtnis wird aber wohl das zentrale Arbeitsgebiet
seiner letzten Lebensjahre, das Konzept des modernen Computers sein.
(nach Wikipedia und HU-Berlin)
ENIAC
1947
Claude Shannon:
Shannon
mit seiner mechanischen Maus
Geboren am 30. April 1916 in Poskey, Michigan, USA, gestoreben
2001. Seine Mutter war eine Tochter deutscher Einwanderer. Er ist ein
entfernter Verwandter des Erfinders Thomas Edison. Seine Studien der
Elektrotechnik und Mathematik begann er 1932 an der University of Michigan.
Nach seinem Abschluss begann er 1938 seine Promotion, die er 1940 unter
dem Titel "Algebra für theoretische Genetik" einreichte.
Anschließend arbeitete Shannon mehrere Jahre in den Bell Laboratories.
Ab 1958 arbeitete er als Professor am Massachusetts Institute of Technology.
1948 veröffentlichte er seine bahnbrechende Arbeit
A Mathematical Theory of Communication (Mathematische Theorie
der Kommunikation). In diesem Aufsatz konzentrierte er sich auf
das Problem, unter welchen Bedingungen eine von einem Sender kodierte
und durch einen gestörten Kommunikationskanal übermittelte
Information am Zielort wiederhergestellt, also ohne Informationsverlust
dekodiert werden kann. Dabei konnte er sich auf das aus der Physik bekannte
Konzept der Entropie beziehen. Shannon gilt als der Vater der Inmformationstheorie
(der Maschinen). Nach ihm wurde die Einheit des Informationsgehaltes
einer Nachricht, das Shannon benannt.
Shannon war unwahrscheinlich vielseitig interessiert und
kreativ; laut einer Anekdote sah man ihn bei Bell in der Nacht jonglierend
auf einem Einrad in den Gängen herumfahren. Randprodukte seiner
beruflichen Tätigkeit sind unter anderem eine Jongliermaschine,
raketengetriebene Frisbees, motorisierte Pogostöcke, eine Maschine
zum Gedankenlesen, eine mechanische Maus ('Theseus', 1950), die sich
in Labyrinthen orientieren konnte, und schon in den 1960ern ein früher
Schachcomputer.
(nach Wikipedia, Uni Erlangen)
Norbet Wiener:

Wiener wurde 1894 in Columbia geboren. Er studiert Mathematik,
Zoologie und Philosophie.
Kybernetik:
Seine Beschäftigung mit der Steuerung von Geschützen
während des Zweiten Weltkriegs führte ihn über die Weiterentwicklung
der Nachrichtentechnik zur Kybernetik. Deren Geburtsstunde lag im Jahr
1943. 1947 einigte er sich dann mit anderen Wissenschaftler auf den
Begriff Cybernetics und eine einheitliche Terminologie. Es sollte eine
Einheit von Problemen betrachtet werden aus dem Gebiet der Regelungen
und der statistischen Mechanik, wie sie sowohl in technischen Systemen,
als auch bei lebenden Organismen von Bedeutung war.
1948 veröffentlichte er sein Hauptwerk: Kybernetik.
Regelung und Nachrichtenübertragung im Lebewesen und in der Maschine.
1948
>> siehe
Kybernetik
Ein spannendes Buch, das diese Zeit des 2. Weltkrieges
mit Science Fiction vermischt und diese Personen quasi zum Leben erweckt:
Neal Stephenson: Cryptonomicon, 1999; deutsch
2001 (in ZB und ETH ausleihbar):
With
this extraordinary first volume in what promises to be an epoch-making
masterpiece, Neal Stephenson hacks into the secret histories of nations
and the private obsessions of men, decrypting with dazzling virtuosity
the forces that shaped this century.
In 1942, Lawrence
Pritchard Waterhouse - mathematical genius and young Captain in the
U.S. Navy - is assigned to detachment 2702. It is an outfit so secret
that only a handful of people know it exists, and some of those people
have names like Churchill and Roosevelt. The mission of Watrehouse and
Detatchment 2702-commanded by Marine Raider Bobby Shaftoe-is to keep
the Nazis ignorant of the fact that Allied Intelligence has cracked
the enemy's fabled Enigma code. It is a game, a cryptographic chess
match between Waterhouse and his German counterpart, translated into
action by the gung-ho Shaftoe and his forces.
Fast-forward
to the present, where Waterhouse's crypto-hacker grandson, Randy, is
attempting to create a "data haven" in Southeast Asia - a
place where encrypted data can be stored and exchanged free of repression
and scrutiny. As governments and multinationals attack the endeavor,
Randy joins forces with Shaftoe's tough-as-nails grandaughter, Amy,
to secretly salvage a sunken Nazi sumarine that holds the key to keeping
the dream of a data haven afloat. But soon their scheme brings to light
a massive conspiracy with its roots in Detachment 2702 linked to an
unbreakable Nazi code called Arethusa. And it will represent the path
to unimaginable riches and a future of personal and digital liberty...or
to universal totalitarianism reborn.
A breathtaking
tour de force, and Neal Stephenson's most accomplished and affecting
work to date, CRYPTONOMICON is profound and prophetic, hypnotic and
hyper-driven, as it leaps forward and back between World War II and
the World Wide Web, hinting all the while at a dark day-after-tomorrow.
It is a work of great art, thought, and creative daring; the product
of a truly iconoclastic imagination working with white-hot intensity.
(www.nealstephenson.com)
Informations-, Computertechnologie und Biologie wurden
seit den 40er Jahren eng zusammen gedacht und haben sich gegenseitig
beeinflusst. Z.B. die Neuronalen Netze der Künstlichen Intellegenz
waren ein Versuch, die Hirntätigkeit und -struktur nachzubilden.
Ein weiteres Beispiel ist die Entwicklung der Gentechnologie. >>
siehe [ACTG] enome