"Der
Weltgeist rechnet- seit Pythagoras"
Gotthard
Günther
Alles hat
Formen, weil es Zahlen in sich hat.
Nimm ihnen diese, und sie sind nichts mehr.
Augustinus (354-430)

McDermott
& McGough, Face of God 1928 (1990)
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Alles rechnet sich - Georg Szpiro - NZZ Folio 12 / 04 (Aberglauben)
Pythagoras
(um 550 v.Chr.): Alles ist Zahl
"Pythagoras
erkannte die Zahlen als absolute Prinzipien der Dinge .... Für
ihn waren die Zahlen eigene Entitäten. In ihnen sieht die pythagoreische
Lehre das eigentliche Geheimnis und die Bausteine dieser Welt. Die Harmonie
der Welt beruht darauf, daß alles in ihr nach Zahlenverhältnissen
geordnet ist. Die Pythagoreer sind von einer grundlegenden Ordnung,
einer Einheit der Welt ausgegangen, die auf den Prinzipien der Zahlen
basiert. Zahlen sind demnach keine vom Menschen erfundenen Gesetzmäßigkeiten,
sondern ureigenste Grundsätze, auf denen sich jegliche Entwicklung
und die Evolution des Lebens abspielen. Das Zusammenwirken der verschiedenen
Elemente, die gewissermaßen in einer Hierarchie stehen, bilden
eine allumfassende Harmonie, die der Welt und dem Leben Rhythmus und
System verleihen.

1
(Monas):
Die Eins ist das Symbol für die Einheit der Welt, die Grundlage,
aus welcher alles abb1andere hervorgeht. Sie ist göttlich, formlos
und somit physisch nicht greifbar. Die Eins ist in allem, was existiert,
vorhanden und somit auch in allen anderen Zahlen wiederzufinden. Jede
darauffolgende Zahl bezieht sich immer auf die Monas und veranschaulicht
diese ihrer eigenen Art entsprechend. Die aus der Monas hervorgehenden
Zahlen bilden keinen Widerspruch zur vorangehenden Einheit, sondern
sind immer nur in ihrem Sinne zu deuten; sie sind weitere Ausformungen
ein und derselben Voraussetzung der Eins.
Die
Eins nimmt für die Pythagoreer eine übergeordnete Stellung
ein (siehe Abb. 1 A). Als ursprüngliche Zahl umfaßt
sie die anderen Zahlen. Alle folgenden Zahlen haben als Basis die Eins
und entspringen förmlich im Rahmen der Einheit. Da die Monas die
erste Zahl ist und das Prinzip der Einheit vertritt, so sehen die Pythagoreer
die Welt auch immer im Rahmen dieser allumfassenden Ganzheit.
2
(Dyas):
Die Zwei symbolisiert die Qualität der Zweiheit. Sie bildet unter
Beachtung der Monas den scheinbaren Gegensatz zur Eins und spiegelt
die in der Welt vorkommenden Polaritäten wieder. Laut Pythagoras
ist jedes existierende Ding ein Erzeugnis dieser Zweiheit. Sie symbolisiert
die Abspaltung und die darausfolgende Entstehung von Gegensätzen,
welche die Grundlage jeglicher Existenz bilden. Man vergleicht sie mit
den Polen, zwischen denen unsere Erde aufgehängt ist
und dem polar-symmetrischen Körperaufbau der Lebewesen. Die Qualität
der Zweiheit macht Leben erst möglich, indem es einen Raum für
dessen Existenz aus der Einheit herausgrenzt. Ihre Qualität geht
gleichsam mit der Entstehung des Lebens einher. Die Zwei ist das Andersartige,
der Unterschied, das Besondere, welche als Gegenpol hervortritt und
Spannung erzeugt.
Die Pythagoreer geben zehn Gegensätze an, auf welche sich alle
Dinge zurückführen lassen:
| 1 |
Grenze
und Unendliches |
| 2 |
Ungerades und Gerades |
| 3 |
Einheit und Vielheit |
| 4 |
Rechts und Links |
| 5 |
Männliches
und Weibliches |
| 6 |
Ruhendes und Bewegtes |
| 7 |
Gerades
und Krummes |
| 8 |
Licht und Finsternis |
| 9 |
Gutes
und Böses |
| 10 |
Quadrat
und Parallelogramm |
3
(Trias):
Die Drei gilt in den Lehren als das Verbindende zwischen Eins und Zwei.
Sie ist das Bindeglied der beiden ersten Zahlen und wird somit zur Zahl
eines ersten Ganzen, einer Dreieinheit. Konnte man Monas und Dias noch
in einem dinglichen Sinn - weil gegen-ständlich - verstehen,
so kommt mit der Dreizahl die rein funktionelle - weil verbindende -
Qualität zum Ausdruck. Sie gilt als ein funktionell-geistiges Urelement,
welches jeder konkreten Erscheinung vorausgeht. Sie beschreibt als erste
Zahl einen symbolischen Entwicklungsprozeß, denn sie verbindet
das Eine (1) mit dem Gegensätzlichen (2) auf einer höheren
Ebene; sie ist damit reine Funktion. Insbesondere wird dieser erste
Funktionsbegriff als verbindend und ordnend umschrieben. Das Prinzip
der Dreiheit steht als eine Art Urformel hinter allen konkreten
und materiellen Dingen. So sind beispielsweise die aller Existenz zugrundeliegenden
abstrakten Ordnungsgrößen Raum und Zeit vom Prinzip der Dreiheit
geprägt. Der Raum, der die Ordnung des Nebeneinander bestimmt,
besteht ebenso aus drei Dimensionen wie die Zeit, die die Ordnung des
Nacheinander festlegt und in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft gliedert.
4
(Tetras):
Die Vier ist das physische Produkt aus der Verbindung der Monas mit
der Dyas. War die Drei lediglich das verbindende Prinzip, das heißt
die Funktion, so ist die Vier das Ergebnis, das Konkrete, Materielle,
welches nun in seiner physischen Form greifbar wird. Man kann sie als
das Geronnene der vorausgegangenen Funktion bezeichnen. Die Tetras ist
somit das konkret Körperliche, die Manifestation des geistigen
Prinzips der Drei. Das Körperliche existiert im Raum und es bringt
dadurch den Raum zur Erscheinung.
5
9:
Von der Vier gehen die Pythagoreer direkt zur Zehn über. Die Zahlen
Fünf bis Neun sind in den Überlieferungen nicht beschrieben.
Es ist wahrscheinlich, daß dies kein Zufall ist, sondern in der
Absicht der Pythagoreer lag. Die Offenbarung der höheren Zahlen,
insbesondere der Fünf, erfolgte offensichtlich ausschließlich
mündlich und dann nur gegenüber den unmittelbaren Schülern
und Eingeweihten.
10
(Dekas):
Die Beschreibung der Zehn durch die Pythagoreer schließt sich unmittelbar
an die Vier an. Neben der oben genannten Begründung weshalb die Fünf
von den Pythagoreern nicht beschrieben wurde, fällt durch die Art
der Beschreibung (Zehn nach Vier) die unmittelbare Nähe der Zehnzahl
zur Vierzahl auf. Die ist keineswegs Zufall. Die Pythagoreer geben uns
dafür eine einleuchtende und gut demonstrierte Erklärung, die
sie Tetraktys nennen und damit den auch rechnerisch erkennbaren
Zusammenhang zwischen beiden Zahlen meinen:
1 + 2 + 3 + 4 = 10 Die Summe der ersten vier Zahlen ist Zehn, also gleich
der Basis unseres Zahlendarstellungssytems (Zehnersystem). Die Vier machte
die am Anfang stehende Einheit und Vollkommenheit (Monas) durch ihre Körperhaftigkeit
anschaulich und greifbar, worin sich ihre Heiligkeit begründete.
Sie ist die Einheit auf einer weiter entwickelten Ebene. Die Zehn spiegelt
jenes Prinzip nun in einer noch höheren Ebene wieder. In der Zehn
wird die Eins (Einheit) mit einer neuen Dimension versehen. Das Verhältnis
von Einheit (Eins) zu Zehnzahl entspricht metaphorisch dem Verhältnis
des Apfelkerns zum Apfelbaum.
Die Gegenüberstellung von Vier und Zehn - die beide für sich
in verschiedenen Dimensionen jeweils die Höherentwicklung beschreiben
-, und ihr gleichzeitiges Zusammendenken machen das Schachtelprinzip der
Entwicklung deutlich. In ihm liegt ein wesentlicher Pythagoreischer Grundgedanke:
Die Einheit und Vollkommenheit entfaltet sich in immer neue Dimensionen
hinein und sie ist in allen als konstantes Prinzip trotz wechselnder Formen
erkennbar. (Zitat
nach Stelzer)
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Ruben Stelzner: Pythagoras und die Zahlenlehre der Pythagoreer
Mario
Merz:
Pythagoras' Haus, 1994

Dem griechischen
Philosophen widmet Merz 1994 seinen Iglu Pythagoras' Haus 1994, der
sich durch die Klarheit und Perfektion seiner Bogenform auszeichnet.
Der Iglu ist eine Kombination aus kubischem Gehäuse und schützender
Kuppel, also ein Kubus in der Halbkugel. Er ist gebaut aus symbolträchtigen,
von Merz bevorzugt verwendeten Materialien: Außer Stahl für
das Gerüst sind dies Marmor- und Schieferplatten, Reisigbündel,
Pergamentpapier und Neonzahlen von 1 bis 34, die am Rand der Sockelzone
ringsrum laufen. Was die Formsymbolik des kubischen Inneren und der
gekurvten Außenhülle angeht, so deutet sie auf die beiden
Komponenten der Philosophie, der Mathematik und der Kunst hin: Kubus
und Kurve verhalten sich zueinander wie Ratio und Intuition.
Die
Hörner der Hirschziege, 1975 - 1994 (Fibonacci Zahlen)
Literatur:
Georges Ifrah: Universalgeschichte der Zahlen, Frankfurt a.M. 1986
Sybille
Krämer: Symbolische Maschinen, Darmstadt 1988
Karin von
Maur (hrsg.): Magie der Zahl in der Kunst des 20. Jahrhunderts, Stuttgart
1997
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Peter Weibel: Kuriosa der Zahlenkunde und die Kunst - kurz gefasst und
leicht fasslich dargestellt.
Christian
Reder: Wörter und Zahlen. Das Alphabet als Code, Wien 2000:
 |
Essayistische
Studie zur Schriftkultur, zu Codes, zu Präzision, zu Wahrnehmung,
zu einem 'berechnenden' Denken.
Als Experiment mit dem Grundbestand alltäglich verwendeter
Zeichen werden Buchstaben - analog zu Physik - als Elementarteilchen
behandelt. Das auf dieser Basis erstellte Wörterbuch macht
die Position jedes Buchstabens im Alphabet zum Ordnungsprinzip.
a = 1, b = 2, c = 3 etc. Die Konstruktionsweise der Wörter
bleibt präsent. Ihr Zeichencharakter gewinnt an Kontur. Zahlen
können zum Sprechen gebracht, Wortbeziehungen anders gesehen
werden. Die Texte dazu können als Parabel über ein Berechnen,
als Beitrag zu einer Theorie der Schrift, zu einer Theorie der
Beziehungen gelesen werden oder als lose vernetzte Erzählungen,
die wie ein Kriminalroman über Buchstaben funktionieren.
Bei Spinoza, Poe, Marx, Freud, Duchamp, Wittgenstein, Foucault,
Adorno, Luhman, Sloterdijk oder Virilio aufgespürte, decodierbare
Bedeutungsebenen zeigen unabhängig von nachweisbaren Absichten
auf, was das Alphabetsystem von sich aus leisten kann, durch Impulse,
paradoxe Fragen, ironische Kommentare. |
Der Film handelt
von dem Mathematiker Maximillian Cohen, der glaubt, dass alles in
der Natur anhand von Zahlen verstanden werden kann. Mit Hilfe seines
Computers Euclid versucht er, Muster in den Daten der Börsen
zu finden. Max wird regelmäßig von Migräne geplagt,
was bei ihm zu Totalausfällen führt, und er leidet unter
massiver Paranoia. Mit Fortschreiten des Filmes beginnt er zu glauben,
den Schlüssel zum Verständnis des Universums gefunden
zu haben und seine Paranoia stellt sich als gerechtfertigt heraus.
Sol Robeson, Max' Go-Partner, ehemaliger Professor, Mentor und Förderer,
ist sein einziger noch verbleibender Ruhepol. Mehrere Gruppen mysteriöser
Leute werden auf seine Forschungen aufmerksam: eine Frau von der
Wall Street und ihre Schlägertruppe mit Zugang zu neuer, leistungsstarker
Computerhardware und eine Gruppe kabbalistischer Juden, die glauben,
dass die Torah, wenn sie als Zahlen anstatt als Text dargestellt
wird, den wahren Namen Gottes enthält, eine Art Bibelcode.
Der wahre Name Gottes soll aus 216 Buchstaben bestehen. Nach Auffassung
dieser Sekte beinhalte dieses Wort die Formel für Pi, und wer
es "ausspricht" (vermutlich ist damit "begreifen"
gemeint), könne die Zukunft vorhersagen. Genau das ist es,
was Maximillian versucht. Um so mehr Max die Formel versteht, um
so stärker werden seine Migräneanfälle. Zuletzt schafft
er es aber, das Kreischen in seinem Kopf abzustellen indem er sich
mit einer Bohrmaschine in den Kopf bohrt. (Wikipedia)
In
Deutschland in den 80er-Jahren zur Zeit der Friedensbewegung,
der Anti-Atomkraft-Demonstrationen und der letzten Konfrontationen
des Kalten Krieges findet der 19-jährige Karl Koch die
Welt um sich herum bedrohlich und in Unordnung. Inspiriert von der
fiktiven Romanfigur Hagbard Celine macht er sich auf die Suche nach
den Hintergründen politischer und wirtschaftlicher Macht und
entdeckt Zeichen, wie etwa die 23, die ihn an eine weltweite Verschwörung
glauben lassen.
Bei einem Treffen
mit Hackern lernt er den Schüler David kennen. David und Karl
gelingt es, das damals erst entstehende globale Datennetz auszutricksen.
Im Glauben an die Gerechtigkeit werden sie zu Spionen für den
KGB. Der zunehmende Druck, gute Hacks in fremde Systeme zu leisten,
treibt Karl immer weiter in die Kokainabhängigkeit und entfremdet
ihn zunehmend von David. Karl, der oft mehrere Tage ohne Schlaf
hintereinander im Kokainrausch vor dem Computer sitzt, leidet unter
immer stärkeren Wahnvorstellungen, die Grenzen zwischen Tag
und Nacht, Traum und Realität verschwimmen. Als das Vertrauen
zu David zerbricht, ist Karl auf sich allein gestellt. Schon bald
folgt der Zusammenbruch, er wird in ein Krankenhaus eingeliefert
und nach dem Entzug in einem Heim untergebracht. Die Filmhandlung
endet kurz vor dem mysteriösen Tod des Protagonisten.