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Berlin Seminar: Zur Kritik neuer wissenschaftlicher Mythologien Katja Diefenbach |
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| 20.12.2001 | |||||||||||||||
| Kommentar zu Isabelle Stengers: Wem dient die Wissenschaft | |||||||||||||||
| Kapitel 2: Die Macht des Labors | |||||||||||||||
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Stengers beginnt mit einer Karikatur von Wissenschaft und Gesellschaft:
Stengers wendet sich gegen diese Trivialisierung und
sagt, dass eine Landschaft von Argumenten geschaffen werden soll, in
der Wissenschaft und öffentliche Gewalten vielfältig verknüpft sind.
Verschiedene Mächte sind daran beteiligt. |
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| Die Macht des Labors | |||||||||||||||
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Vorgehen |
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| A: Was hat Pasteur eigentlich bewiesen | |||||||||||||||
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1. Experimente und Beweise im Labor Im ersten Beispiel geht es darum, wie bestimmte Hypothesen experimentell bewiesen werden. Beispiel: Mikroorganismen, 1864 von Louis Pasteur entdeckt |
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| Exkurs: Louis Pasteur | |||||||||||||||
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Geboren am 27. Dezember 1822 in Dole, Frankreich, gestorben 28. September 1895. Er gilt als der Begründer der ‚Keim-Theorie von Krankheiten' und damit der Revolutionierung der Medizin. Seine Theorie veränderte das Bild vom Leben grundlegend. Seine wichtigsten Forschungen: Er untersuchte, warum Alkohol mit unerwünschten Substanzen kontaminiert während des Gärungsprozesses werden. Er zeigte, dass jede Fermentation mit einem Mikroorganismus verbunden ist, einem Ferment. Ein Mikroorganismus ist ein Lebewesen, dass unter sterilen Bedingungen im Labor kultiviert werden kann. Viele Krankheiten werden durch Mikroorganismen verursacht. Er forschte an Milzbrand (Anthrax) und Tollwut, was im Weltruhm einbrachte. Er fand heraus, dass eine Immunisierung gegen diese Mikroorganismen stattfindet, wenn ein Tier oder ein Mensch mit schwachen Dosen des Krankheitserregers geimpft wird. Bsp. einer seiner Beweise: Anthrax. Er hat einen Tropfen Blut eines infizierten Schafes 100 mal in sterilen Lösungen verdünnt bis kein Molekül des Schafes in der Lösung gefunden werden konnte. Ergebnis: Die Anthrax-Bakterien waren immer noch so zahlreich und aktiv wie in der ersten Lösung. Somit war der Beweis für die Existenz erbracht. Damit widerlegte er die bis dahin gültige These, dass Leben spontan unter geeigneten Bedingungen entstehen kann. Mikroorganismen werden immer übertragen und vermehren sich unter günstigen Bedingungen. Dies hatte gravierenden Auswirkungen auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und verändert das Bild des Lebens vollständig: Vergangenheit: Neodarwinismus; Erklärung, wie aus Mikroorganismen
alles Leben entstand Gegenwart: Wirtschaftliche, medizinische etc. Fortschritte |
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Niemand kann heute die Existenz von Mikroorganismen ernsthaft bestreiten. (-> Die Einnahme von Antibiotika bei Krankheit bedeutet die Anerkennung von Pasteurs Hypothese) . Dass dies nicht trivial ist, zeigt Stengers an der grundsätzlichen Problematik von Experimenten im Labor. Der/die WissenschafterIn denkt sich aufgrund einer Hypothese eine Versuchsanordung aus, die genau eine Interpretation zulässt. Der Beweis erfolgt also durch die künstliche Inszenierung eines Experiments im Labor. Ein Faktum kann je nach Versuchsanordnung anders interpretiert werden. Dagegen führt jedes Experiment unter gleichen Bedingungen immer zum gleichen Resultat. |
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| 2. Aspekt der Fragen | |||||||||||||||
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Bsp: Galileo Galiei Zum Experiment: Er liess eine sehr glatte und runde Kugel eine schiefe Ebene hinunterrollen und mass Zeit und Weg.
Warum ist die Fallbewegung schwerer Körper interessant? Die Bewegung ist eigentlich ziemlich dürftig im Vergleich zu natürlichen Bewegungen wie dem Vogelflug oder dem Wachsen von Pflanzen. Sie ist interessant geworden, weil man sich einigen konnte, dass damit ein Faktum bewiesen wird. Ebenso bei Pasteur: Er hat zwar bewiesen, dass Mikroben die Ursache für bestimmte Krankheiten sind. Er hatte aber nie den leidenden Körper im Blickpunkt, sondern nur die Mikroben im Reagenzglas. Für Menschen ist die Frage, was heisst es, krank zu sein, aber wichtiger.
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| B: Die Seinsbedingungen wissenschaftlicher Erkenntnisse | |||||||||||||||
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Frage: Wurden Mikroorganismen nur im Labor entdeckt, oder existieren sie auch sonst? Dahinter steckt die Forderung der WissenschaftlerInnen, dass ihre Entdeckung als Wirklichkeit anerkannt wird. Das Experiment allein und der Beweis reichen alleine nicht aus. Es muss Interesse geschaffen werden. Stengers unterscheidet zwei Arten von Interesse:
-> Die Entdeckungen im Labor werden gesichert durch Vervielfältigung der Praktiken Pasteur z.B. hat sehr grosse Anstrengungen unternommen, damit die Bedeutung seiner Entdeckung anerkannt wurde und weitere Wissenschaften beeinflusste. Bsp: erst nach der Entwicklung von Impfstoffen konnten die Mediziner gewonnen werden. Zitat von Pasteur: Dagegen die Definition von Wirklichkeit bei Stengers: "Es steht den wissenschaftlichen 'Erkenntnissen' also in jedem Fall zu, an dem teilzuhaben, was wir als 'Wirklichkeit' bezeichnen, und das mit allen Konsequenzen. Dieses Recht steht ihnen aber nicht etwa deshalb zu, weil ihre Existenz von einer Wissenschaft bewiesen worden wäre. Das, was das eine wissenschaftliche Experiment belegt, kann von dem anderen Experiment, das mit neueren technischen Hilfsmitteln und unter neuen Gesichtspunkten durchgeführt wurde, schon wieder über den Haufen geworfen werden. Sie sind vielmehr im Besitz dieses Rechts, weil sie zu einem echten Knotenpunkt für die unterschiedlichsten Praktiken geworden sind, von denen jede einzelne ein anderes Interesse verfolgt. Demnach verlangen sie von den fraglichen Erkenntnissen, dass sie dazu imstande sind, eine gesicherte Verbindung zu den Fragen und Interessen herzustellen. Ist diese Definition der Wirklichkeit nicht in Wahrheit die stichhaltigste, die wir geben können?" (S. 52/53) |
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| C: Prüfungen und Kontroversen | |||||||||||||||
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Stengers wendet sich gegen die verbreitete Ansicht, dass keine Kontroversen entstehen, wenn Experimente ‚objektiv' seien. Kontroversen entstehen also wegen mangelnder Objektivität oder unzulänglicher Beweisführung. Dagegen vertritt Stengers die These, dass ‚objektive, gesicherte' Tatsachen gerade das Resultat von Kontroversen sind. Es geht darum, ob Fakten und Interpretation möglichen Einwänden und Prüfungen standhalten kann. Das Schlimmste, was einer/einem WissenschaftlerIn passieren kann, ist, dass seine/ihre These nicht der Kontroverse würdig befunden wird, also nicht beachtet wird, was den Tod der These bedeutet. Dieses Verfahren der Kontroverse ist nicht unbedingt gerecht. Z.B. kann der Name eines Wissenschaftlers eine Rolle bespielen, ob seine These in eine Kontroverse eintritt oder nicht. Trotzdem: das was akzeptiert wird, ist relativ gesichert Es interessiert also nicht die endgültige Wahrheit, sondern das, was eine These zur Geschichte besteuern kann. Somit ist das einzelne Labor in die Betrachtung eines Netzwerks von Labors eingetreten. Im nächsten Abschnitt geht es um die Verbindung der Labors zur Öffentlichkeit / Politik. |
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| D: Rein und Unrein | |||||||||||||||
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Es geht um die Frage der Verantwortung, wenn eine Entdeckung negativ angewendet wird, z.B. Menschen damit getötet werden. Stengers führt die Begriffe rein und unrein, die in diesem Kontext verwendet werden ein und zeigt, dass diese Unterscheidung müssig ist. Rein heisst: reine Forschung ohne Verbindung zu Anwendungen WissenschaftlerInnen sind in der Regel bemüht, den Wirkungsbereich ihrer Entdeckungen zu vergrössern. Stengers: Durch diese Verbindungen kommen verschiedene Mächte ins Spiel, wie sie an drei typischen Beispielen aufzeigt:
Stengers bewertet diese 3 Beispiele entlang von reiner und unreiner Forschung:
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| Plädoyer | |||||||||||||||
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Im weiteren zeigt Stengers die Machtverhältnisse in der Politik und deren Anrufung bestimmter WissenschaftlerInnen zur Stützung ihrer Interessen. Beispiel Drogenpolitik, die Drogenabhängige entweder zu Kriminellen oder Kranken stempelt. Sie plädiert für eine Demokratisierung des Verhältnisses von Wissenschaft und Politik in dem Sinne, dass die Betroffenen stärker miteinbezogen werden. Denn letztlich geht es um menschliche und nicht um wissenschaftliche Fragen in einer Gesellschaft. |
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| Literatur | |||||||||||||||
| Isabelle Stengers: Wem dient die Wissenschaft? Gerling Akademie Verlag 1998 | |||||||||||||||
| >> jungle world: leben als Gentechnologie denken | |||||||||||||||
| >> zu Pasteur 1 2 | |||||||||||||||
| >> zum Schwerionenbeschleuniger | |||||||||||||||
| >> zu Galileo | |||||||||||||||